Sterbebegleitung

GedenkbuchSterben und Tod sind Realitäten, welche im Heimalltag allgegenwärtig sind. Es ist eine große Erleichterung für den Sterbenden zu spüren, dass Menschen für ihn da sind und ihn auf seinem letzten Weg begleiten. Begleiten meint, sich auf den Sterbenden einzulassen, ihn in seiner Angst zu verstehen und seine Gefühle zu respektieren. Einfühlungsvermögen, Verständnis und das Vermitteln menschlicher Geborgenheit schaffen die Voraussetzungen dafür, dass sich der Sterbende offen mit seinem Tod auseinandersetzen und Abschied nehmen kann. Jeder Mensch geht im Angesicht des Todes seinen ganz eigenen Weg, so wie er sein Leben lang seinen eigenen Weg gegangen ist. „Leben bis zuletzt“ – „da sein, wenn es still wird“. In unserem Unternehmensleitbild beschreiben wir, dass wir unser Handeln am christlichen Menschenbild ausrichten. Das beinhaltet ausdrücklich die uns anvertrauten Menschen bis hin zum Tod ganzheitlich, wertschätzend zu begleiten.

Die Entscheidung darüber, ob das Sterben müssen akzeptiert wird oder medizinische Maßnahmen getroffen werden wie beispielsweise Einlieferung ins Krankenhaus, künstliche Ernährung, Reanimation, Sauerstoffgerät, künstliche Beatmung, wird gemeinsam mit dem Betroffenen (falls möglich), dem Pflegeteam, dem Arzt und den Angehörigen nach Möglichkeit frühzeitig geklärt, abgesprochen und dokumentiert. Es kann aber auch sein, dass der betroffene Mensch nicht mehr in der Lage war, seinen Willen zu äußern. In diesem Fall ist der schriftlich erklärte Wille durch die im Vorfeld erstellte Patientenverfügung zu berücksichtigen. Schon beim Einzug in unsere Einrichtung wird auf eine Regelung für den Sterbefall hingewirkt.

Unser Ziel ist:

  • es soll eine menschenwürdige Begleitung im Sterbeprozess durch zwischenmenschliche Nähe gewährleistet werden
  • es soll ein angst und schmerzfreier Sterbeprozess ermöglicht werden
  • es soll eine optimale Pflegequalität gewährleistet werden

Raum der StilleWir sehen unsere Aufgabe darin, die uns anvertrauten Menschen bzw. Menschen mit unheilbaren, lebensbedrohlichen oder chronisch fortschreitenden Krankheiten während des Krankheitsverlaufes bis zum Tod eine möglichst gute Lebensqualität zu ermöglichen; ihnen eine fachlich fundierte, ganzheitliche und individuelle Pflege zu gewährleisten und die Lebensumstände so angenehm wie nur möglich zu gestalten. Familienangehörige, Hausarzt, Seelsorge, Hospizmitarbeiter, Mitarbeiter des Palliativpflegedienstes und andere Bezugspersonen können in die Begleitung eingebunden werden. Mitbewohnern wird Zeit zum Abschiednehmen eingeräumt.

In der Sterbebegleitung geht es darum, dem sterbenden Menschen in seinen letzten Tagen und Stunden vor dem Tod Beistand zu leisten. Im Mittelpunkt steht die Orientierung an den Wünschen und Bedürfnissen. Körperliche, emotionale, soziale, spirituelle und religiöse Bedürfnisse stehen in einem Wechselspiel. Deshalb ist für uns der Wille des Betroffenen handlungsleitend.

Der Sterbende bleibt in seiner vertrauten Umgebung. Bei einem Doppelzimmer sollte der Mitbewohner in ein anderes Zimmer verlegt werden. Lärm, unnötige Betriebsamkeit, grelles Licht sind zu vermeiden. Wenn gewünscht, werden religiöse Symbole bzw. Gegenstände, die dem Sterbenden wichtig sind in das Blickfeld des Sterbenden gerückt (z.B. ein Familienfoto, ein Stofftier etc.). Meditative Musik kann hilfreich sein.

Versorgung von Verstobenen und Abschied nehmen
Die Achtung, die Würde und der Respekt ist auch über den Tod hinaus unantastbar. Die/ der Verstorbene wird so gelegt, dass Angehörige, Mitbewohner und Mitarbeiter von der/ dem Verstorbenen Abschied nehmen können. Dies geschieht in der Regel im Zimmer. Wir stellen Kreuz und Kerze auf und entzünden die Kerze. Wir informieren die Wohnbereiche und die Küche zum Anzünden des Lichtes und informieren darüber die Mitbewohner und andere MitarbeiterInnen. Wir begleiten die Angehörigen und Mitbewohner zum Abschied nehmen in das Zimmer. Nach Möglichkeit erweist ein Mitarbeiter unserer Einrichtung dem Verstorbenen bei der Beerdigung die letzte Ehre und nimmt als Gruß mit, den Trauerstrauß bzw. die Beileidskarte (siehe Standard – Versterben eines Bewohners). Auf Wunsch der/ des Verstorbenen bzw. der Angehörigen kann auch mit Sarg oder Urne die Trauerfeier in unserer Einrichtung stattfinden. Somit haben viele Bewohner die Möglichkeit, dem Verstorbenen das letzte Geleit zu geben.

In Form eines Gedenkbuches „Buch des Lebens“, das in unserem Raum der Stille ausliegt, erinnern wir an unsere verstorbenen Bewohner und Bewohnerinnen. In besonderer Weise gedenken wir in der Andacht am Tag vor Totensonntag an die verstorbenen Menschen unserer Einrichtung.

Wir lernen aus dem Erfahrungsschatz der Hospizidee und dem Konzept „Palliativ care“ und verwirklichen es in unserer Einrichtung in der Vernetzung.